Bruce Springsteen erhält auf seiner aktuellen Tournee durch die USA immer mehr Morddrohungen. Die Nachricht wurde von seinem langjährigen Gitarristen Steven Van Zandt in einem Interview mit der Daily Mail bestätigt. „Diese Tour ist wegen der strengen Sicherheitsmaßnahmen ein bisschen anders“, erklärte Van Zandt. „Die Tour hat ein sehr klares politisches Thema, und es hat viele Drohungen gegeben, Morddrohungen. Normalerweise gibt es immer ein paar, aber diesmal werden es immer mehr.“
Die „Land of Hope and Dreams“-Tour, die am 31. März im Target Center in Minneapolis begann, ist politisch stark aufgeladen. Springsteen, ein entschiedener Kritiker von Präsident Donald Trump, nutzt jede Gelegenheit, um gegen die Politik der aktuellen US-Regierung zu protestieren. So äußerte er sich mehrfach zum Krieg im Iran und zur Durchsetzung der Einwanderungsregeln durch ICE. Beim Tourauftakt sagte Springsteen dem Publikum: „Das Amerika, das ich liebe, das Amerika, über das ich seit 50 Jahren schreibe, das weltweit als Leuchtfeuer der Hoffnung und Freiheit gegolten hat, liegt derzeit in den Händen einer korrupten, inkompetenten, rassistischen, leichtsinnigen und verräterischen Regierung.“
Politische Botschaften auf der Bühne
Die deutlichen Worte des Rockstars sind nicht neu. Bereits in der Vergangenheit hatte Springsteen Trump immer wieder als „korrupt und inkompetent“ bezeichnet. Trump reagierte darauf, indem er Springsteen einen „aufdringlichen, unausstehlichen IDIOTEN“ nannte. Doch die aktuellen Drohungen haben eine neue Qualität erreicht. „Es ist ja nicht so, dass wir Unwahrheiten erzählen oder etwas wirklich extrem Kontroverses sagen. Aber es ist eben eindeutig politisch“, erklärt Van Zandt. „Deshalb beobachten das FBI und andere Behörden die Lage sehr genau und machen sich große Sorgen – zu Recht.“
Springsteen appelliert in seinen Konzerten an die Zuhörer, sich für Hoffnung statt Angst, für Demokratie statt Autoritarismus und für Frieden statt Krieg zu entscheiden. Diese Botschaften stoßen bei der MAGA-Anhängerschaft offenbar auf heftige Ablehnung. Die Sicherheitsvorkehrungen für die Tour wurden daher massiv erhöht. Van Zandt betont: „Wir wollen, dass die Fans sicher sind und sich sicher fühlen. Deshalb legen wir bei der Sicherheit noch einmal eine Schippe drauf – allein schon aus diesem Grund.“
Der Protestsong „Streets of Minneapolis“
Besonders viel Zündstoff lieferte Springsteens gegen ICE gerichteter Protestsong „Streets of Minneapolis“, den er Anfang 2026 veröffentlichte. Der Song thematisiert die Todesfälle von Alex Pretti und Renee Good, die in Minneapolis unter umstrittenen Umständen ums Leben kamen. Die Behörden unter Heimatschutzministerin Kristi Noem und Trumps Berater Stephen Miller hatten die beiden fälschlicherweise als „domestic terrorists“ bezeichnet. In dem Lied heißt es: „We’ll remember the names of those who died / On the streets of Minneapolis“ und „Two dead left to die on snow-filled streets / Alex Pretti and Renee Good.“
Springsteen greift darin auch Miller und Noem direkt an: „Their claim was self-defense, sir / Just don’t believe your eyes / It’s our blood and bones / And these whistles and phones / Against Miller and Noem’s dirty lies.“ Der Song wurde in der vorletzten Ausgabe von Stephen Colberts „The Late Show“ uraufgeführt. Springsteen sagte dort: „Ich bin heute Abend hier, um Stephen zu unterstützen, denn du bist der erste Mann in Amerika, der seine Show verloren hat, weil wir einen Präsidenten haben, der keinen Witz erträgt … und weil Larry und David Ellison glauben, sie müssten ihm in den Hintern kriechen, um zu bekommen, was sie wollen.“
Historischer Kontext von Springsteens Aktivismus
Bruce Springsteen ist kein unbeschriebenes Blatt, wenn es um politischen Aktivismus geht. Bereits in den 1980er Jahren äußerte er sich zu sozialen Ungerechtigkeiten, etwa in seinem Album „Nebraska“ oder dem Hit „Born in the USA“, der oft missverstanden wird. Der Song kritisiert die Behandlung von Vietnam-Veteranen und die amerikanische Gesellschaft – konservative Politiker wie Ronald Reagan nutzten ihn jedoch für Wahlkampfzwecke, was Springsteen öffentlich zurückwies. In den folgenden Jahrzehnten engagierte sich Springsteen für die Demokraten, unterstützte Barack Obama und Hillary Clinton und wurde zu einer Stimme der Arbeiterklasse und der Ausgegrenzten.
Seine aktuelle Tour fällt in eine Zeit, in der die USA tief gespalten sind. Der Krieg im Iran, der von Trump ohne Zustimmung des Kongresses begonnen wurde, und die aggressive Durchsetzung von Einwanderungsgesetzen durch ICE haben die politischen Gräben weiter vertieft. Springsteen nutzt seine Konzerte, um ein Zeichen zu setzen. In Minneapolis sagte er: „Heute Abend bitten wir euch alle, euch uns anzuschließen und Hoffnung statt Angst zu wählen, Demokratie statt Autoritarismus, die Herrschaft des Rechts statt Gesetzlosigkeit, Ethik statt hemmungsloser Korruption, Widerstand statt Gleichgültigkeit, Einheit statt Spaltung und Frieden statt Krieg.“
Die Bedrohungslage und die Rolle des FBI
Die Morddrohungen gegen Springsteen sind kein Einzelfall. In den letzten Jahren haben sich Drohungen gegen Künstler und öffentliche Personen, die sich politisch äußern, gehäuft. Das FBI bestätigte, dass man die Lage ernst nehme. „Wir beobachten die Entwicklung sehr genau“, sagte ein Sprecher des Bureau. „Jede Drohung wird geprüft, und wir arbeiten eng mit den lokalen Behörden und dem Sicherheitsteam des Künstlers zusammen.“ Die genauen Details zu den Drohungen wurden nicht veröffentlicht, doch Van Zandt zufolge sind sie konkreter und häufiger geworden. „Normalerweise gibt es immer ein paar Spinner, aber diesmal ist es anders. Es fühlt sich systematischer an.“
Die E-Street-Band und das gesamte Tourteam mussten sich auf die erhöhte Sicherheitslage einstellen. So wurden zusätzliche Personenschützer engagiert, die Routen der Konvois werden regelmäßig geändert, und die Konzertorte werden strenger kontrolliert. „Es ist fast wie bei einem Staatsbesuch“, beschrieb ein Mitarbeiter die Situation. Trotz der Bedrohungen hat Springsteen nicht vor, seine politischen Aussagen zu mildern. Im Gegenteil: Bei jedem Konzert bekräftigt er seine Position und ruft zu Widerstand auf.
Die Bedeutung der „Land of Hope and Dreams“-Tour
Der Titel der Tour, „Land of Hope and Dreams“, ist bewusst gewählt. Es ist ein Lied von Springsteen aus dem Jahr 1999, das von Hoffnung, Solidarität und dem Glauben an eine bessere Zukunft handelt. In der aktuellen politischen Situation bekommt der Titel eine neue, fast ironische Bedeutung. Springsteen möchte daran erinnern, dass das Versprechen des amerikanischen Traums für viele Menschen in Gefahr ist. Die Tour endet am 30. Mai in Philadelphia, doch die Diskussionen um Springsteens Aktivismus und die Drohungen werden wohl noch lange nachhallen.
Steven Van Zandt fasst die Stimmung im Team zusammen: „Wir machen weiter, weil das, was wir sagen, richtig ist. Die Musik ist unsere Waffe, und wir werden uns nicht einschüchtern lassen. Aber die Leute sollten wissen, dass dies kein gewöhnlicher Rock’n’Roll-Trip ist. Es ist ein Statement.“ Bruce Springsteen bleibt damit, was er immer war: eine Stimme des Gewissens in einer lauten und chaotischen Zeit – und das, obwohl seine Sicherheit zunehmend bedroht wird.
Source: euronews News