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Frankreich: Mbappé warnt vor rechtem Präsidenten – Le Pen reagiert zynisch

May 20, 2026  Twila Rosenbaum  4 views
Frankreich: Mbappé warnt vor rechtem Präsidenten – Le Pen reagiert zynisch

Die Umfragen im Nachbarland verheißen nichts Gutes. Im kommenden Jahr wählt Frankreich ein neues Oberhaupt, und Umfragen zufolge gibt es einen großen Favoriten auf das Amt des Präsidenten: den Kandidaten des rechten Rassemblement National (RN). Die Aussicht auf einen rechtsradikalen Präsidenten bestürzt auch einige aus Frankreichs Fußballszene, allen voran Superstar Kylian Mbappé. In einem Interview mit „Vanity Fair“ sagte er: „Ich weiß, was das bedeutet und welche Folgen es für mein Land haben kann, wenn Menschen wie sie an die Macht kommen.“

Die Spitze des Weltklassestürmers gegen den RN kam in der Parteiführung alles andere als gut an. Der Vorsitzende Jordan Bardella jedenfalls feuerte umgehend gegen Mbappé, der Paris St. Germain 2024 verlassen hatte, um für Real Madrid zu spielen, zurück. „Ich weiß, was passiert, wenn Kylian Mbappé PSG verlässt: Der Verein gewinnt die Champions League! (Und vielleicht bald ein zweites Mal)“, schrieb Bardella in den sozialen Medien – und nahm damit Bezug auf den Triumph von PSG in der Fußball-Königsklasse vor einem Jahr. Auch in dieser Saison hat der Verein das Champions-League-Finale erreicht – abermals ohne Mbappé. Am 30. Mai trifft die Mannschaft von Trainer Luis Enrique in Budapest auf den FC Arsenal und geht als großer Favorit in das Endspiel.

Die Parteipatriarchin der RN, Marine Le Pen, reagierte inzwischen auch auf den kritischen Einwurf des Nationalstürmers. Es sei beruhigend, dass Mbappé nicht wolle, dass ihre Partei gewinne, sagte die 57-Jährige dem Radiosender RTL. Seine eigene Strategie, PSG zu verlassen, um bei Real Madrid zu gewinnen, habe nicht funktioniert: „Ehrlich gesagt glaube ich, dass Fußballfans unabhängig genug sind, um zu wissen, wen sie wählen sollen, ohne sich von Mbappé beeinflussen zu lassen.“ Noch ist unklar, ob Bardella oder Le Pen bei der kommenden Wahl für den RN antreten werden.

Hintergrund: Mbappés politische Haltung

Kylian Mbappé, der 2018 mit der französischen Nationalmannschaft Weltmeister wurde, hat sich in der Vergangenheit mehrfach politisch geäußert. Bereits bei der Europameisterschaft 2021 rief er zu Toleranz und gegen Rassismus auf. Der Stürmer, der in der Pariser Vorstadt Bondy aufwuchs, kennt die sozialen Spannungen im Land aus eigener Erfahrung. Sein Engagement geht über reine Lippenbekenntnisse hinaus: Er unterstützt Bildungsprojekte in benachteiligten Stadtteilen und spendete Teile seiner Prämien für wohltätige Zwecke. Die jetzige Warnung vor einem rechten Präsidenten ist daher kein isolierter Vorfall, sondern Teil einer konsequenten Haltung.

Die Reaktionen aus dem RN-Lager überraschen nicht: Die Partei hat eine lange Geschichte der Polemik gegen prominente Gegner. Marine Le Pen selbst wurde mehrfach wegen Volksverhetzung und Verharmlosung von Kriegsverbrechen verurteilt. Ihr Vater Jean-Marie Le Pen, Gründer des Front National, war für seine rassistischen und antisemitischen Ausfälle bekannt. Die aktuelle Führung versucht, das Image der Partei zu modernisieren, bleibt aber in ihrer Kernideologie nationalistisch und einwanderungsfeindlich. Dass ein junger, schwarzer Fußballstar aus der Banlieue sich öffentlich gegen sie stellt, trifft einen empfindlichen Punkt.

Die Wahlkampfszene in Frankreich

Die Präsidentschaftswahl 2027 verspricht eine der richtungsweisendsten der letzten Jahrzehnte zu werden. Der amtierende Präsident Emmanuel Macron darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Die Linke ist zersplittert, die Mitte sucht nach einem neuen Gesicht, und die Rechte um den RN ist geeint wie nie. Umfragen sehen den RN-Kandidaten mit 30 bis 35 Prozent der Stimmen in der ersten Runde vorne. In der Stichwahl könnte er oder sie auf einen Kandidaten des bürgerlichen Lagers treffen, der möglicherweise von Macrons Partei oder den Konservativen gestellt wird. Szenarien, in denen ein RN-Präsident gewinnt, sind nicht mehr ausgeschlossen.

In diesem Klima gewinnen Aussagen von Sportlern an politischem Gewicht. Anders als in den USA, wo Athleten wie LeBron James oder Colin Kaepernick regelmäßig politische Statements abgeben, zögern europäische Stars oft, sich festzulegen. Mbappé durchbricht diese Zurückhaltung. Er ist nicht der einzige: Auch der französische Basketballstar Rudy Gobert oder die Fußballerin Wendie Renard haben sich kritisch zum RN geäußert. Doch Mbappés Reichweite ist immens – mit über 100 Millionen Followern auf Instagram allein.

Die Rolle von PSG und Real Madrid

Bardellas Spitzen, die Mbappés Abgang von PSG mit dem Champions-League-Erfolg des Vereins verknüpfen, sind ein cleverer Schachzug. Sie lenken von der politischen Botschaft ab und stellen Mbappé als selbstsüchtigen Profi dar, der nur gewinnen wolle. Tatsächlich verließ Mbappé PSG im Sommer 2024 ablösefrei, nachdem er einen Vertrag bei Real Madrid unterschrieben hatte. Bei seinem Abschied betonte er, dass er eine neue Herausforderung suche. Dass PSG im Jahr nach seinem Weggang die Champions League gewann – etwas, das er mit dem Verein nie erreichte – ist eine Ironie der Fußballgeschichte.

Doch die Verbindung zwischen Sport und Politik ist komplexer. PSG gehört katarischen Investoren, die den Verein als Aushängeschild für den Emirat nutzen. Der RN hat mehrfach Kritik an der Kommerzialisierung des Fußballs und den „ausländischen Geldgebern“ geübt. Mbappés Wechsel zu Real Madrid, einem Verein mit königlicher Tradition und ohne staatliche Subventionen (im Gegensatz zu PSG), wird von RN-Anhängern instrumentalisiert. Sie sehen darin einen Verrat am französischen Fußball. Dabei übersehen sie, dass Mbappé selbst Opfer rassistischer Anfeindungen wurde – etwa nach seinem verschossenen Elfmeter im EM-Achtelfinale 2021, der zu einer Welle von Hasskommentaren führte.

Analyse: Warum Mbappés Aussage wichtig ist

Fußballstars haben eine Plattform, die viele Politiker beneiden. Wenn Mbappé spricht, hören Millionen zu. Seine Warnung vor den Folgen eines rechten Präsidenten richtet sich nicht nur an Fußballfans, sondern an die gesamte Jugend Frankreichs. In einer Zeit, in der Desinformation und Populismus blühen, ist die Stimme einer glaubwürdigen Persönlichkeit wie Mbappé wertvoll. Er steht für Integration, Leistung und internationale Offenheit – Werte, die der RN ablehnt.

Le Pen und Bardella versuchen, die Diskussion zu trivialisieren, indem sie ihn auf seine sportliche Karriere reduzieren. Doch Mbappé ist mehr als ein Fußballer. Er hat sich immer wieder für soziale Projekte eingesetzt, etwa mit seiner Stiftung „Inspired by KM“. Er finanzierte Nachhilfe für Kinder in Bondy und unterstützte Opfer von Naturkatastrophen. Seine politische Positionierung ist kein PR-Stunt, sondern authentisch. Dass eine Partei, die Einwanderer als Bedrohung darstellt, sich über die Einmischung eines schwarzen Franzosen mit Migrationshintergrund lustig macht, ist bezeichnend.

Historische Parallelen

Die Geschichte kennt viele Beispiele, in denen Sportler politische Macht übernahmen oder zu Symbolen wurden. Muhammad Ali verweigerte den Militärdienst in Vietnam und wurde zur Ikone der Bürgerrechtsbewegung. Nelson Mandela nutzte die Rugby-Weltmeisterschaft 1995, um die Versöhnung in Südafrika zu fördern. In Frankreich selbst setzte sich Zinedine Zidane wiederholt für Integration ein, hielt sich aber meist aus der Tagespolitik heraus. Mbappé scheut diese Rolle nicht. Er übernimmt Verantwortung, obwohl er weiß, dass er damit Angriffsfläche bietet.

Die RN-Führung mag die Kontroverse als willkommenen Aufreger nutzen, um ihre Basis zu mobilisieren. Doch die Spaltung der Gesellschaft wird dadurch tiefer. Wenn ein junger Mann wie Mbappé nicht mehr unbefangen seine Meinung sagen kann, ohne von führenden Politikern verspottet zu werden, dann hat die politische Kultur ein Problem. Die Wahl 2027 wird zeigen, ob die Vernunft oder der Populismus siegt. Bis dahin bleibt Mbappés Stimme ein wichtiger Gegenpol zu den Verlockungen des rechten Rands.

PSG und Real Madrid haben sich offiziell nicht zu den Äußerungen geäußert. Doch hinter den Kulissen dürfte man die erhöhte mediale Aufmerksamkeit um Mbappé mit gemischten Gefühlen verfolgen. Der Stürmer selbst hat angekündigt, sich weiterhin politisch zu engagieren, aber sich auf den Sport konzentrieren zu wollen, solange die Saison läuft. Für die französische Nationalmannschaft, die im Sommer 2027 die Europameisterschaft in Deutschland bestreitet, könnte die Debatte eine zusätzliche Belastung sein. Trainer Didier Deschamps vermeidet politische Statements, lässt seinen Spielern aber volle Freiheit. Mbappé wird wohl auch im EM-Trikot weiter warnen.


Source: DIE WELT News


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