Jannik Sinner hat einmal mehr seine außergewöhnliche Form unter Beweis gestellt. Der Weltranglistenerste aus Italien besiegte im Viertelfinale des ATP-Masters-Turniers in Rom den Russen Andrej Rublew glatt mit 6:2, 6:4. Mit diesem Sieg feierte Sinner seinen 32. Erfolg in Folge bei einem 1000er-Event der ATP. Damit überbot er die bisherige Bestmarke von Novak Djokovic, der zwischen 2011 und 2012 insgesamt 31 Masters-Spiele ungeschlagen blieb. Djokovics Serie war damals eine der dominierendsten in der Geschichte des Profitennis – und nun hat Sinner sie übertroffen.
Der 24-jährige Südtiroler zeigt sich auch auf dem rotem Sand von Rom in bestechender Verfassung. Zehn Tage vor dem Start der French Open in Paris scheint Sinner bereit, sein erstes Major-Turnier auf Sand zu gewinnen. Doch zunächst steht für ihn das Halbfinale in der italienischen Hauptstadt an. Dort trifft er entweder auf Daniil Medwedew oder den spanischen Nachwuchsspieler Martin Landaluce. Mit einem Turniersieg in Rom würde Sinner als erster Italiener seit Adriano Panatta im Jahr 1976 die Italian Open gewinnen – eine historische Leistung.
Die Rekordserie im Detail
Sinners Siegesserie bei den Masters-Turnieren begann bereits im Herbst 2025. Damals gewann er das Turnier in Paris-Bercy. Seitdem hat er auch die ersten fünf Masters des Jahres 2026 gewonnen: Indian Wells, Miami, Monte-Carlo, Madrid und nun bislang auch in Rom. Dabei verlor er in all diesen Turnieren insgesamt nur zwei Sätze. Das ist eine Dominanz, die selbst die größten Spieler der Tennisgeschichte selten erreicht haben. Mit dem Erfolg in Madrid war Sinner bereits der erste Spieler, der fünf Masters-Turniere in Folge für sich entscheiden konnte. Nun hat er mit dem 32. Sieg in Serie auch den Rekord von Novak Djokovic gebrochen.
Djokovic hatte seine Serie 2011 aufgebaut, als er in absoluter Bestform war. Der Serbe gewann damals innerhalb weniger Monate die Turniere in Indian Wells, Miami, Madrid, Rom und Wimbledon. Seine Serie von 31 Masters-Siegen endete erst im Finale von Cincinnati 2012 gegen Roger Federer. Sinner hat diese Marke nun nicht nur erreicht, sondern übertroffen. „Ich spiele nicht wegen der Rekorde, ich spiele nur für meine eigene Geschichte“, sagte Sinner nach dem Spiel. „Gleichzeitig bedeutet mir das sehr viel, aber morgen ist ein neuer Tag, ein neuer Gegner, ein anderer Gegner.“ Diese Demut und Konzentration auf das Nächste sind typisch für den jungen Italiener, der trotz seiner Erfolge stets bodenständig geblieben ist.
Die Entwicklung von Jannik Sinner
Sinner begann seine Profikarriere vor rund fünf Jahren und hat sich seitdem kontinuierlich gesteigert. Schon früh wurde er mit Größen wie Roger Federer und Rafael Nadal verglichen, doch er hat seinen eigenen Weg gefunden. Mit seinem kraftvollen Grundlinienspiel, der präzisen Vorhand und der außergewöhnlichen Bewegung auf dem Platz erinnert er an die besten Allrounder der Geschichte. Unter der Anleitung seines Trainers Simone Vagnozzi und der Unterstützung von Darren Cahill hat Sinner sein Spiel auf Sand weiterentwickelt. Früher galt der Belag als seine Schwäche, doch mittlerweile ist er auch auf diesem Untergrund eine Macht.
Seine bisherige Bilanz auf Sand spricht Bände: In dieser Saison hat er auf Sand 22 Matches gewonnen und nur eines verloren. Das einzige Defizit war das Viertelfinale von Barcelona, das er gegen den Griechen Stefanos Tsitsipas verlor. Seitdem hat Sinner alle Spiele auf Sand gewonnen – eine Serie von 16 Siegen. Diese Konstanz ist bemerkenswert und macht ihn zum klaren Favoriten für die French Open.
Die Konkurrenz im Halbfinale und die historische Chance
Im Halbfinale von Rom wartet entweder Daniil Medwedew oder der spanische Teenager Martin Landaluce. Medwedew, der ehemalige Weltranglistenerste, hat in der Vergangenheit oft gegen Sinner verloren, aber er ist ein gefährlicher Gegner auf schnellem Belag. Auf Sand hingegen hat Sinner gegen Medwedew eine deutliche Überlegenheit. Landaluce hingegen ist ein unbeschriebenes Blatt, der sich durch die Qualifikation gekämpft hat und nun erstmals in einem Masters-Halbfinale steht. Sollte Sinner das Halbfinale gewinnen, wäre er nur noch einen Schritt vom Titel entfernt. Ein Sieg in Rom wäre nicht nur der erste italienische Erfolg seit 1976, sondern auch der zehnte Masters-Titel seiner Karriere. Damit würde er in dieser Statistik unter anderem mit Größen wie Andre Agassi (17) und Jimmy Connors (?) gleichziehen – eine beeindruckende Anzahl für einen 24-Jährigen.
Die ewige Bestenliste der Masters-Titel
Aktuell führt Novak Djokovic die Liste der meisten Masters-Titel mit 40 Triumphfahrten an. Dahinter folgen Rafael Nadal (36) und Roger Federer (28). Sinner hat mit neun Titeln bereits eine solide Basis, doch er ist noch weit von den Rekorden der Big Three entfernt. Allerdings ist er mit 24 Jahren der jüngste Spieler, der jemals neun Masters gewonnen hat. Zum Vergleich: Djokovic hatte in diesem Alter erst sieben Titel. Sinners große Konkurrenten in seiner Generation wie Carlos Alcaraz (acht Titel) und Daniil Medwedew (sechs) können nicht ganz mithalten. Allerdings muss Alcaraz wegen einer Verletzung pausieren und wird die French Open verpassen. Das eröffnet Sinner noch größere Chancen, seinen Vorsprung auszubauen.
Die Bedeutung der Masters-Serie für das Ranking
Die ATP-Masters-1000-Turniere sind die wichtigsten Turniere nach den Grand Slams und dem Saisonfinale. Sie bieten nicht nur viel Preisgeld, sondern auch entscheidende Punkte für die Weltrangliste. Sinner führt die Rangliste bereits mit großem Abstand an, doch jeder Sieg festigt seine Position. Die Serie von 32 Siegen in Folge bei Masters-Events zeigt, dass er in dieser Kategorie absolut dominant ist. Das hat es seit den besten Zeiten von Djokovic nicht mehr gegeben. Sinner selbst betont, dass er sich nicht zu sehr auf Statistiken konzentriert, sondern auf seine Leistung auf dem Platz. „Jedes Match ist eine neue Herausforderung. Ich versuche, meinen Tennisstil zu spielen und mich nicht von Rekorden ablenken zu lassen“, sagte er kürzlich in einem Interview.
Das Viertelfinale gegen Rublew war ein Paradebeispiel für Sinners Überlegenheit. Rublew, selbst ein Top-15-Spieler und bekanntermaßen stark auf Sand, hatte kaum eine Chance. Im ersten Satz dominierte Sinner mit aggressiven Returns und schnellen Richtungswechseln, die Rublew immer wieder aus dem Rhythmus brachten. Nach 38 Minuten war der Satz mit 6:2 entschieden. Im zweiten Satz wehrte sich Rublew etwas mehr, doch Sinner blieb konzentriert und nutzte seine Chancen. Nach 53 Minuten verwandelte er den Matchball zum Endstand. Sinner zeigte kaum Schwächen, servierte stark und machte nur wenige unerzwungene Fehler. Diese Effizienz ist ein Markenzeichen seiner aktuellen Form.
Ausblick auf die French Open
Mit dem Rückenwind aus Rom wird Sinner als einer der Topfavoriten zu den French Open nach Paris reisen. Das Sandplatzturnier in Roland Garros ist das wichtigste Major auf Sand, und Sinner hat dort bereits zweimal das Viertelfinale erreicht. In diesem Jahr könnte er seinen ersten Grand-Slam-Titel auf Sand holen, nachdem er bereits die Australian Open 2024 und Wimbledon 2025 gewonnen hat. Die Abwesenheit von Carlos Alcaraz, seinem größten Rivalen auf Sand, verbessert seine Chancen zusätzlich. Dennoch gibt es starke Konkurrenten wie Novak Djokovic (obwohl dieser in dieser Saison schwächelt), Stefanos Tsitsipas und Alexander Zverev. Doch wenn Sinner so weiterspielt wie in den vergangenen Wochen, ist er kaum zu schlagen.
Die Geschichte, die Sinner in dieser Saison schreibt, ist beeindruckend. Er hat nicht nur Djokovics Masters-Rekord gebrochen, sondern auch eine Serie von fünf aufeinanderfolgenden Masters-Titeln hingelegt. Das hat vor ihm noch niemand geschafft. Sinner selbst gibt sich bescheiden: „Ich bin glücklich, aber ich weiß, dass die Arbeit weitergeht. Es gibt immer etwas zu verbessern.“ Diese Einstellung ist es, die ihn zu einem der besten Spieler seiner Generation macht. Die Tenniswelt darf gespannt sein, ob er auch in Rom triumphiert und dann in Paris den nächsten großen Schritt macht.
Source: Yahoo News News